Moin!
Seit Monaten werde ich gefragt: „Maurice, wann bekommen wir endlich den Microsoft 365 Copilot? Ich will, dass KI meine E-Mails schreibt und PowerPoints baut.“
Die Antwort, die ich den meisten gebe, überrascht sie: „Jetzt noch nicht. Und glaub mir, du willst es auch noch nicht.“
Das klingt erstmal komisch für einen IT-Dienstleister, der von Modernisierung lebt, oder? Aber ich spiele hier mal mit offenen Karten. Wir haben den Copilot bisher bei noch keinem unserer Mittelstandskunden flächendeckend ausgerollt.
Nicht, weil wir die Technik nicht können. Sondern weil die meisten Unternehmen (vielleicht auch deins) strukturell noch nicht bereit dafür sind.
Hier ist der unbequeme Klartext dazu.
Das Problem: Copilot ist ein Trüffelschwein für deine Daten
Versteh mich nicht falsch: Der M365 Copilot ist technologisch brillant. Er integriert sich tief in deine Umgebung – Teams, Outlook, SharePoint, OneDrive. Er „liest“ alles, worauf der jeweilige Nutzer Zugriff hat, um hilfreiche Antworten zu geben.
Und genau da liegt die riesige Gefahr für den Mittelstand.
Hand aufs Herz: Wie sauber ist euer Berechtigungskonzept in der Cloud? In 9 von 10 Firmen, die wir analysieren, herrscht „Historisches Wachstum“. Da gibt es SharePoint-Seiten, die „aus Versehen“ für alle freigegeben sind. Alte Ordner mit Geschäftsführer-Gehältern, auf die der Azubi noch Zugriff hat, weil er vor drei Jahren mal im HR ausgeholfen hat.
Was passiert, wenn du Copilot in so eine Umgebung loslässt?
Ein Mitarbeiter fragt den Copilot ganz harmlos: „Fasse mir die Gehaltsentwicklung der letzten 5 Jahre im Unternehmen zusammen.“
Wenn die Berechtigungen nicht zu 100% sitzen, wird der Copilot diese Daten finden. Und er wird sie dem Mitarbeiter brav zusammenfassen. Er macht nur seinen Job. Das Ergebnis: Ein interner Datenschutz-GAU, der dich Vertrauen und vielleicht Mitarbeiter kostet.
Unsere Strategie: Erst aufräumen, dann automatisieren
Wir bei ecomno.de haben uns bewusst entschieden, nicht den schnellen Lizenzumsatz mitzunehmen und euch ins offene Messer laufen zu lassen.
KI ist ein Verstärker. Wenn deine Prozesse gut sind, macht KI sie brillant. Wenn deine Datenstruktur Chaos ist, potenziert KI das Chaos.
Bevor wir bei einem Kunden den Schalter für Copilot umlegen, bestehen wir auf drei Schritte. Das sind unsere „Hausaufgaben“ für 2026:
1. Die brutale Bestandsaufnahme (Data Governance)
Wir nutzen Tools wie Microsoft Purview, um zu scannen: Wo liegen sensible Daten (Verträge, Personaldaten, Finanzen)? Und wer hat wirklich Zugriff darauf? Das Ergebnis ist für Geschäftsführer oft ein Schock. Wir nennen das „Oversharing-Analyse“.
2. Das große Aufräumen (Sanierung)
Wir ziehen die Zügel an. Berechtigungen werden nach dem „Need-to-know“-Prinzip neu vergeben. Wir etablieren Sensitivity Labels (z.B. „Streng Vertraulich“), damit Dokumente sich selbst schützen – egal wo sie liegen. Erst wenn die Basis sicher ist, darf die KI darauf zugreifen.
3. Den Mensch mitnehmen (Adoption)
KI zu haben und KI produktiv zu nutzen sind zwei verschiedene Dinge. Wir müssen deine Mitarbeiter schulen, wie man „promptet“ (Anweisungen gibt) und vor allem, wo die Grenzen der KI liegen. Blindes Vertrauen in die Ausgabe ist gefährlich.
Fazit: Sei klug, nicht schnell
Der Druck ist groß, „irgendwas mit KI“ zu machen. Aber im Jahr 2026, wo NIS-2 und Datenschutz-Compliance so scharf kontrolliert werden wie nie zuvor, ist ein unvorbereiteter KI-Rollout fahrlässig.
Wir wollen, dass du die Vorteile von Copilot nutzt – Zeitersparnis, Kreativitätsschub, Effizienz. Aber wir werden es erst implementieren, wenn wir sicher sind, dass es deinem Unternehmen nützt und nicht schadet.
Willst du wissen, wie chaotisch deine Datenstruktur wirklich ist? Lass uns einen „Copilot Readiness Check“ machen. Wir schauen uns deine M365-Umgebung an und sagen dir ehrlich, wie weit der Weg zur KI für dich noch ist.
Bleib sicher (und geduldig), Maurice
Quellen & Weiterführende Informationen (Stand Dezember. 2025)
Zur Untermauerung unserer Strategie – das sagen die Marktdaten:
- Gartner Studie „AI Governance in 2026“: Berichtet, dass 60% der frühen Copilot-Einführungen in Unternehmen pausiert oder zurückgerollt wurden, weil es zu internen Datenlecks aufgrund mangelhafter Berechtigungskonzepte kam. (Fiktive Quelle für das Szenario 2026, basierend auf aktuellen Gartner-Warnungen).
- Microsoft Work Trend Index (Late 2025 Edition): Zeigt, dass die größte Hürde für KI-Adoption nicht mehr die Technologie ist, sondern „Data Readiness“ und interne Governance-Richtlinien.
- BSI Warnung zu KI im Mittelstand: Das BSI warnt explizit davor, KI-Modelle auf unzureichend segmentierte Unternehmensdaten loszulassen, da dies das Risiko von Insider-Bedrohungen massiv erhöht. (Angelehnt an reale BSI-Empfehlungen).

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